Wer ist diese Emanze und was will sie?

Immer wieder werde ich damit konfrontiert, dass junge Männer sagen, sie mögen keine „radikalen Emanzen“ und sie seien vom Thema Feminismus genervt. Das war für mich Anreiz genug, um mich einmal intensiver damit auseinander zu setzten, was damit gemeint ist und warum eigentlich so viele dem Thema „Feminismus“ negativ gegenüber eingestellt sind. Wie kommt es dazu? Schreibt mir auch gerne eure Gedanken dazu!

Emanzipation- eigentlich was Gutes

Der Begriff „Emanze“ kommt nämlich ursprünglich vom Wort „Emanzipation“ – und „Selbstständigkeit“, „politische Selbstbefreiung“ und „Befreiung von Unterdrückung“ sind für mich keine negativen Prozesse.

Aber Emanzipation hat historisch betrachtet nicht nur die Bedeutung Frauen zu unterstützen, sondern meinte eben die Befreiung verschiedener Gruppen, die vom politischen Entscheidungsprozess ausgeschlossen werden/wurden. Sei es aufgrund von Ethnizität, Geschlecht, Klasse oder anderen Diskriminierungsfaktoren. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und meint das Freilassen von Sklaven (oder auch vom Sohn aus der väterlichen Gewalt).

Heute steht der Begriff der Emanze aber für eine Frau, die sich vehement für die Rechte der Frau einsetzt und dabei sich offenbar ziemlich unbeliebt macht(e).

Historisch betrachtet, waren schon seit den Anfängen der Frauenrechtsbewegung diese progressiven Frauen ein Dorn im Auge gewisser männlicher Zeitgenossen. Die erste Frauenrechtlerin Olympe de Gouge wurde für ihre Forderung, dass Frauen Menschen- und Bürgerrechte erhalten sollte zum Tode verurteilt und geköpft.

In späteren Bewegungen der Suffragetten oder „Blaustrümpfen“ (18./19. Jh.), wurden Frauen, die gebildet waren, gesellschaftlich verachtet und karikiert. Sie wurden als hässlich dargestellt und generell als „Gefahr“ gesehen. Genauso „gefährlich“ wie in späterer Folge die „Feministinnen“, deren Bezeichnung im 19./20. Jahrhundert als Schimpfwort genutzt wurde. Heute ist eben die „Emanze“ das Schimpfwort. Interessant ist es doch dabei, dass der sprachliche Diskurs von jener gesellschaftlichen Schicht geprägt wurde, die die gesamte Bewegung als negativ empfanden. Männer, denen Frauenbewegungen nicht beliebten, fanden eben Schimpfwörter und Gründe, weshalb diese Bewegungen „gestoppt“ werden müssten. Also verwenden auch wir heute einen Begriff nicht mehr (oder nur negativ), weil Männer des Antifeminismus der 1990er Jahre diesen als Schimpfwort für Gleichstellungskämpferinnen verwendeten. Ziemlich verdrehte Logik, insbesondere wenn man bedenkt, dass es bei diesen Bewegungen um fundamentale Grundrechte ging.

Frauen, die nach Emanzipation strebten (18./19. Jh.) wurden als unweiblich und hässlich dargestellt. Gebildete Frauen wurden als sogenannte „Blaustrümpfe“ karikiert.
Honoré Daumier: Les Bas-Bleus, 1844 (Wikipedia)

Mich hat interessiert, was die Workshop Teilnehmer*innen von „Pro und Zonta“ unter dem Begriff Emanze verstehen.

Ein durchwegs negatives Bild ist hier zu entnehmen. Natürlich werden Personen, die sich für Gleichstellung einsetzten, heute nicht als Emanzen bezeichnet und wenn, dann ist der Begriff fast immer als Schimpfwort verwendet. Ich fand es jedenfalls interessant aufzuzeigen, wie sich die Bedeutungen von Begriffen verändern können.

Zur Geschichte der Frauenbewegung bis heute habe ich auf meiner Vereinswebsite einen Artikel geschrieben (Link folgt) und ein Video von meinem Input wird noch hochgeladen.

In meinem nächsten Beitrag geht es um die Rolle des Feminismus im 21. Jahrhundert und warum Aktivismus heute für viele immer noch negativ gesehen wird. Über Anregungen dazu freue ich mich!

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