Mein Sommer der „Normalität“

Eigentlich wollte ich diesen Artikel pünktlich zum Beginn des zweiten „Lockdowns“ veröffentlichen. Angesichts der Ereignisse in Wien nun eben etwas später.

Warum ich mich zu Wort melden wollte bezüglich des Lockdowns und Corona? Weil ich genervt bin, von der Pandemie, meinen Einschränkungen usw. aber am meisten von den Leuten, die nur jammern und selbst nicht wirklich betroffen sind (ich rede hier nicht, von Personen, die am Existenzminimum sind, einsamen Menschen im Altersheim, Alleinerziehenden, die die Kinderbetreuung alleine übernehmen müssen oder Mini-Unternehmer*innen, die versuchen sich durch den Zettel-Dschungel für ein paar läppische „Hilfs-Euros“ zu quälen). Ich spreche hier von Menschen, durch deren Ignoranz, nun erneut alle leiden müssen, indem noch schärfere Maßnahmen getroffen werden, weil Händewaschen uncool ist, oder Kellerpartys als „lebensnotwendig“ erachtet werden.

Ich war seit Februar auf keiner Feier, keiner Grillparty und keiner Hausparty. Auch nicht im Sommer. Ich gehöre zur Risikogruppe und bin äußerst vorsichtig und daher fast ausschließlich zu Hause oder alleine im Schlauchboot unterwegs (zumindest im Sommer). Meine Kontakte kann man auf den Fingern abzählen.

Ich hatte keinen „Sommer der Normalität“, meine Normalität ist es, soziale Kontakte gering zu halten und Abstand einzuhalten.

…oder nach dem „Feiern“ wochenlang im Bett zu liegen, weil ich mich mit „egal-was“ angesteckt habe.
Alleine sein. Mag ich nicht.

Das war schon vor Covid so und das wird auch nach Covid zu einem bestimmten Maße so bleiben. Hört ihr mich ständig jammern oder in Panik versetzt verschiedenste Theorien in die Welt streuen?

Ich drehe den Spieß der Corona- „Leugner*innen“ mal um: vielleicht wurde absichtlich in den letzten Jahren so wenig auf Hygiene geachtet, dass es jetzt allen Ernstes ein Problem ist, sich die Hände zu waschen und anderen Menschen nicht zu nahe zu kommen, wenn man verkühlt oder krank ist? Vielleicht wollte und will man alte und schwache Menschen „eliminieren“, damit die Welt nur mehr von gesund-strotzenden „Querulanten-denkern“ besiedelt wird? (Hilfe, nicht noch mehr von denen!)

Wohl eher nicht und ich denke, dass sich manche Menschen wieder daran erinnern sollten WEITER, statt quer (in diesem Sinne) zu denken. Panik bringt niemandem etwas. Weder angstvoll auf jeden Nieser zu reagieren, genauso wie alles abzustreiten, was Wissenschaft und Gesundheitsforschung JEMALS entdeckt haben. JA, es gibt Krankheiten (das man das überhaupt noch sagen muss?!) und NEIN, der Körper wird nicht mit allem von allein fertig (!), deshalb sterben manche Menschen auch. Andere leiden lange an verschiedenen Dingen und sterben dann. Andere sind gesund. So ist das eben.

Vergleiche des Masken-Tragens mit der Enthauptung von Sophie Scholl und einer Nazi-Diktatur sind meiner Meinung nach nicht nur (historisch) falsch, sondern wirklich abartig und menschenverachtend. (Buchtipp: lest Victor Frankls Werk: „Trotzdem ja zum Leben sagen“, das ist gut für all jene, die solche Verlgeiche ziehen und gut für jene, die sehr verzweifeln. In beiden Fällen zeigt Victor Frankl, wie es selbst in den unvorstellbar schlimmsten Situationen weitergehen kann).

Das ist nicht am Meer. Das ist im Burgenland.

Die „Jammerer“ sind übrigens auch immer am lautetsten. Ich finde das den ganzen rücksichtsvollen, jungen (und alten) Menschen, die sich bemühen und zusammenreißen gegenüber nicht fair. Von denen hört man nichts, die halten sich einfach daran und sind auch nicht glücklich damit. (Danke an diese Leute, dass ihr jemanden wie mich nicht einfach in Gefahr bringen möchtet oder Alte und Schwache sterben lassen möchtet. Danke. Soll auch mal gesagt sein).
Wenn man schon ein unsoziales Wesen sein will, kann man wenigstens den anderen Menschen mit seinen perfiden Gedanken in Ruhe lassen und seine Systemkritik nicht damit zum Ausdruck bringen, gefährdeten Personen nahe zu kommen oder ununterbrochen, die Meinung aufdrücken zu wollen. Was kann der Bim-Fahrer dafür, dass eine Maske getragen werden muss, oder die Supermarktverkäuferin? Die gezählten Male, wenn ich mit der FFP2-Maske im Geschäft oder beim Arzt war, sind mir fremde Menschen viel zu nahe gekommen (so nahe, wie ich auch keine Fremden ohne Corona haben will). Bei manchen Ärzten musste ich darum bitten, sich eine Maske aufzusetzen. Allen Ernstes- ist das notwendig?

Sommer, Herbst, Winter, Frühling der Normalität.
Zu Hause.
Leben der Normalität – ich hab Schmerzen. Die Bananen waren davor gekühlt.

Dass wir jetzt wieder einen Lockdown haben hat ja verschiedene Gründe. Ein Appell an die Vernunft hat nicht gereicht, um gewisse Partys und Ähnliches zu vermeiden. Offenbar war der „Sommer der Normalität“ auf diese Art notwendig. Jetzt kommen der Herbst und der Winter der Normalität- einer Krankheit kann man nämlich leider nicht auf ewig davon laufen!

Ich verstehe den Frust der Menschen und die verschiedenen Bestrebungen „Ursachen“ für „das alles“ zu finden. Die Sache mit Krankheiten ist nur so… es hat keinen Sinn nach einem Schuldigen zu suchen- sie sind trotzdem da, egal wann und egal wo (und egal was man von ihnen hält 😉 ).

Zahlreiche Freund*innen hatten mir in den vergangenen Jahren nicht geglaubt, dass es wirklich richtig mies ist, so oft und so dauerhaft zu Hause bleiben zu müssen, weil man zu starke Schmerzen hatte, oder die Grippe wütete und Leute mit Fieber sich in der Uni neben einen setzten.

Sommer der Normalität heißt für mich auch immer aufpassen zu müssen, mich nicht zu verkühlen, unabhängig vom Babyelefanten.
Na fesch. Im Krankenhaus. So wie in meinem Sommer der Normalität eben normal.
Selbst mein Essen war traurig und hat mir gesagt, dass ich einsam bin.

Nun ja, jetzt müssen es gesunde Menschen für eine läppische Anzahl von Tagen wieder selbst erleben (anderen Menschen geht es ein Leben lang so!). Vielleicht sollte man die Zeit nutzten, empathischer zu werden und die Politik dazu aufzufordern im Gesundheitsbereich, der Behindertenpolitik, den Altersheimen usw. Änderungen herbeizuführen.

Statt zu schimpfen, nutzt doch bitte eure Energie dafür solche Problemfelder (wie Ärztemangel, zu lange Wartezeiten etc.) anzukreiden.

Chronisch kranke Menschen, haben nicht immer die Energie sich für Veränderungen einzusetzen.

Statt euch zu ärgern, dass die Bar zu ist, helft doch mit, das zu verändern, wo das System Verbesserungsbedarf hat ! Weniger tschentschen (Kärntnerisch für „jammern“), mehr bewegen 🙂

Und wenn gar nix mehr half und ich mich immer noch ärgerte, konnte ich wenigstens auf „Urlaub fahren“, so wie in einem Sommer der Normalität üblich.

One Comment on “Mein Sommer der „Normalität“

  1. Ja, die Pandemie wird uns noch lange „erhalten“bleiben. Traurig ist es, dass die Arbeitslosenzahlen, wie die ÖVP Arbeitsministerin sagte, im Winter auf über 500.000 steigen werde. Wie sollen die alle „über die Runden“ kommen, mit nur 55% ihres durchschnittlichen Lohnes als Arbeitslosenunterstützung? Für diese Menschen haben die Türkisen keinen Härtefallfonds, keinen Fixkostenzuschuss, keine Abgabenstundung vorgesehen! Auch die Mehrwertsteuersenkung hilft nur den Unternehmern und nicht den Kosumenten. TÜRKIS/GRÜN ist weit weg von Sozialer Gerechtigkeit! Mehr dazu auf: http://www.hirnstattbauch.blog

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